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Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt nicht die Untersuchung oder Behandlung durch einen fachkundigen Tierarzt! Dieser Artikel ist rein informell, ohne Gewähr.


Rachitis

Rachitis (MBD)

Synonym: Metabolische Knochenerkrankung, Osteomalazie, Nierenosteodystrophie, Knochenerweichung, Sekundärer Hyperparathyreoidismus.

 

Beschreibung: Rachitis ist eine Mineralisierungsstörung des Skeletts durch gestörte Kalziumaufnahme, was zu weichen und deformierten Knochen führt. Besonders junge, pflanzenfressende und omnivore Reptilien sowie schwangere und wachsende Tiere sind gefährdet.

 

Symptome:

  • Weiche oder verformte Knochen
  • Skelett- und Panzerdeformationen
  • Lethargie, Appetitlosigkeit, Muskelkrämpfe
  • Spezifische Symptome:
    • Echsen: Verformter Unterkiefer, verdickte Oberschenkel, Wirbelsäulendeformationen
    • Schildkröten: Weicher Panzer, Panzerdeformation, verformte Gliedmaßen und Unterkiefer
    • Schlangen: Wirbelsäulendeformation

Komplikationen:

  • Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme
  • Bewegungseinschränkungen
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus: Knochenschwund, Harnsteine, Nierenschäden, Herzerkrankungen
  • Legenot, Darmerkrankungen

Ursachen:

  • Mangel an Vitamin D3 oder UVB-Strahlung
  • Kalziumunterversorgung
  • Ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis
  • Nierenerkrankungen, Medikamente
  • Stress durch Wachstum, Schwangerschaft, Darmerkrankungen, Parasiten
  • Falsche Haltungstemperaturen, fehlende Ruhezeiten, trockene Haltungsbedingungen

Behandlung:

  • Nutzung von UVB-Lampen oder Vitamin D3-Präparaten
  • Verbesserung der Kalziumversorgung
  • Symptomatische Therapie zur Verhinderung der Verschlimmerung

Begleitmaßnahmen:

  • Geeignetes Kalzium-Phosphor-Verhältnis bei der Ernährung von Pflanzenfressern (Fast alle Obst- und viele Gemüsesorten haben ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis und sind daher nur bedingt geeignet. Eine einseitige Ernährung mit solchen Pflanzen sollte vermieden werden. Ungünstige Beispiele sind Tomaten, Bananen, Melonen, Paprika, Kopf- oder Eisbergsalat, Erbsen und Soja. Die meisten Kräuter hingegen haben ein gutes Kalzium-Phosphor-Verhältnis, wie Löwenzahn, Petersilie, Brunnenkresse, Wegerich-Arten, sowie Römersalat, Rucola, Weißkohl, Wirsing, Endiviensalat und Feigenkaktus. Tierische Lebensmittel und Milchprodukte sind grundsätzlich nicht für pflanzenfressende Reptilien geeignet.)
  • Artgerechte Fütterung, Wärmegefälle im Terrarium, Winter- und Sommerruhezeiten
  • Sicherstellung der Flüssigkeitsversorgung
  • Tierärztliche Überwachung bei vermuteten Nierenerkrankungen

Vorsorge:

  • Direkte Sonneneinstrahlung, Freiland- oder Gewächshausbedingungen
  • Nutzung geeigneter UVB-Lampen bei Zimmerhaltung
  • Regelmäßige und maßvolle Gabe von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten
  • Artgerechte Ernährung mit korrektem Kalzium-Phosphor-Verhältnis
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Kommentar:

 

Stoffwechselstörungen wie Rachitis entstehen durch Vitamin D3-Mangel, Kalziumunterversorgung und eine ungünstige Kalzium-Phosphor-Balance. Besonders gefährdet sind Jungtiere und wachsende Reptilien. Bei erwachsenen Tieren spricht man von Osteomalazie, während sekundärer Hyperparathyreoidismus eine durch Fehlernährung oder Nierenerkrankung verursachte Überfunktion der Nebenschilddrüse ist, die zu Knochendemineralisierung führt.

 

Vitamin D3-Mangel:

Vitamin D3 ist wichtig für den Kalziumeinbau in den Knochen, wird aber nur durch UVB-Strahlung produziert. Ein Mangel an UVB-Licht führt zu instabilen, weichen Knochen, die besonders an Stellen wie Unterkiefer, Oberschenkel, Rückgrat oder Panzer deformiert werden können.

 

Kalziumunterversorgung:

Eine mangelnde Kalziumaufnahme verursacht ähnliche Symptome wie Vitamin D3-Mangel. Dies geschieht, wenn regelmäßig kalziumarme Nahrung wie Fisch- oder Fleischfilet gefüttert wird und keine entsprechende Kalziumergänzung erfolgt.

 

Ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis:

Ein Ungleichgewicht zwischen Kalzium und Phosphor in der Nahrung kann den Körper zwingen, Kalzium aus den Knochen zu mobilisieren, was zu deren Entmineralisierung führt. Dies betrifft hauptsächlich Pflanzenfresser.

 

Zu hohe Haltungstemperaturen / Fehlende Ruhezeiten:

Hohe Temperaturen erhöhen den Stoffwechsel und damit den Vitamin- und Mineralstoffbedarf. Eine nicht optimale Nahrungszusammensetzung oder fehlende Ruhezeiten können daher zu Kalziumdefiziten führen.

 

Zu niedrige Haltungstemperaturen:

Zu niedere Temperaturen behindern den Nährstoffstoffwechsel und begünstigen rachitische Krankheiten.

Zu trockene Haltungsbedingungen: Wassermangel vermindert die Kalziumausscheidung und kann zu Stoffwechselstörungen führen.

 

Nierenerkrankungen:

Pathologische Veränderungen der Nieren können zu einem Ungleichgewicht im Phosphat- und Kalziumhaushalt führen, wodurch ein sekundärer Hyperparathyreoidismus entsteht.

 

Anforderungen an UV-Leuchten:

Eine gute UV-Leuchte sollte ausreichende UVA- und UVB-Spektralanteile haben. UVB-Lampen sollten regelmäßig ausgetauscht werden, da ihre Strahlung nachlässt. Normales Glas blockiert UVB-Strahlen, daher sollte die Lampe im Terrarium oder über einer Lüftungsgaze montiert sein.

 



 

Quellen- und Literaturverzeichnis:

 

1. Bennett, R. A. (2002). Infectious Diseases of Reptiles.

2. Jacobson, E. R., & Carpenter, J. W. (2007). Biology, Husbandry, and Medicine of the Green Iguana.

3. Frye, F. L. (1991). Biomedical and Surgical Aspects of Captive Reptile Husbandry.

4. MemoVet, Dosierungsvorschläge f. Reptilien, Schattauer Verlag, ISBN:9783794528318 

5. Reptilenpraxis, Rüschoff & Christian, Herpeton-Verlag, ISBN 3936180229

6. Leitsymptome bei Reptilien, Pees, Enke-Verlag, ISBN-3830412274

7. ReptilienSkills, Kölle & Blahak, Schattauer-Verlag, ISBN-379 453 1019

8. Köhler R. (2025, 15. März). Reptiliendoktor – Das Gesundheitsportal für Reptilien, https://reptiliendoktor.com

9. MemoVet - ReptilienSkills von Kölle und Blahak, Verlag Schattauer, Ausgabe Julie 2015

 

10. Reptilienpraxis von Birgit Rüschoff und Bettina Christian, Verlag Herpeton, 2 Auflage 2012

 

Fotos:

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