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Inkubation
Der Traum vieler Hobby-Terrarianer ist es, Reptilieneier zu inkubieren und eigene Nachzuchten aufzuziehen. Oft scheitert dieses Vorhaben jedoch an mangelndem Wissen oder falschen Vorstellungen über den Aufwand. In diesem Beitrag geht es um grundlegende Informationen zur Inkubation von Reptilieneiern.
Unter Inkubation versteht man das künstliche Ausbrüten von Eiern in einem Brutkasten, auch Inkubator genannt. Diese Methode ist nicht nur einfacher und sicherer als das Ausbrüten im Terrarium, sondern auch schneller. Zudem kannst du die klimatischen Bedingungen besser kontrollieren und das Risiko minimieren, dass die Elterntiere ihren Nachwuchs nach dem Schlüpfen fressen.
Bevor du mit der Inkubation beginnst, solltest du dir Gedanken darüber machen, was mit den Nachzuchten geschehen soll. Der Markt für Reptilien ist derzeit aufgrund von Wildfängen und vielen Nachzuchten überlaufen. Zudem erfordert die Zucht eine behördliche Genehmigung, wenn bestimmte Mengen überschritten werden. Daher solltest du die Inkubation nur aus Interesse und nicht mit kommerziellen Absichten durchführen. Bei der Entscheidung für die Inkubation ist es wichtig, dass du die Jungtiere artgerecht unterbringen kannst, bis du geeignete Abnehmer findest.
Die Anforderungen an die Inkubation von Reptilieneiern unterscheiden sich je nach Art. Ein wichtiger Faktor ist die richtige Temperatur, die die geschlechtliche Entwicklung der Embryos beeinflusst: Bei Temperaturen um 25 °C entstehen hauptsächlich Weibchen, bei Temperaturen um 31 °C überwiegend Männchen. Zudem gilt: Je niedriger die Inkubationstemperatur, desto länger dauert es bis zum Schlupf.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Luftfeuchtigkeit, die meistens bei rund 85 – 90 Prozent liegt. Unterschiede in den Ansprüchen gibt es auch hier je nach Art. Während die Temperatur relativ einfach konstant gehalten werden kann, ist die Regulierung der Luftfeuchtigkeit schwieriger: Ist sie zu gering, fallen die Eier ein, ist sie zu hoch, können sie schimmeln.
Es gibt vier grundlegende Arten der Inkubation:
Substratlose Inkubation: Die Eier liegen auf einem Gitterrost und nehmen die benötigte Feuchtigkeit ausschließlich aus der Luft auf.
Inkubation im Substrat: Die Eier werden in ein geeignetes Brutsubstrat eingebettet, das sie meist bis zur Hälfte bedeckt. Diese Methode eignet sich vor allem für Reptilieneier, die eine niedrigere Luftfeuchtigkeit benötigen.
Offene Inkubation: Hier fehlt der Deckel, was eine bessere Luftzirkulation ermöglicht, aber häufiger nachfeuchten erfordert.
Geschlossene Inkubation: Diese Methode verhindert das Ausbrechen der Tiere, erfordert jedoch die Kontrolle von Kondenswasser, das nicht auf die Eier tropfen darf.
Es gibt verschiedene Inkubatoren, die zur Inkubation verwendet werden können:
Motorbrüter: Dieser komplexe Inkubator arbeitet mit Umluft und kann die Temperatur gezielt regulieren. Er ist einfach zu bedienen und sorgt für die richtige Luftfeuchtigkeit. Ein Motorbrüter hat meist eine Schale am Boden, die für die Feuchtigkeitszufuhr sorgt. Dieser Inkubator ist ideal für die Winterruhe von beispielsweise Schildkröten, da er sowohl Wärme erzeugen als auch kühlen kann.
Flächenbrüter: Diese Inkubatoren bestehen aus einer Box, oft aus Styropor, mit einem Heizelement im Deckel. Die Temperatur wird durch ein Steckerthermostat reguliert, was konstante Bedingungen gewährleistet. Geschlossene Dosen im Inkubator sorgen dafür, dass die Luftfeuchtigkeit erhalten bleibt und nur selten nachgefeuchtet werden muss. Frischluftzufuhr erfolgt durch wöchentliches Öffnen der Dosen.
Aquarien: Diese Methode verwendet einen wärmeisolierten, wasserfesten Behälter, wie ein Aquarium. Der Boden wird mit Wasser gefüllt und durch einen Thermostatheizer erwärmt. Die Eier liegen auf einem Gitterrost, der über dem Wasser schwebt, ohne in Kontakt zu kommen. Die Brutbehälter sollten nicht komplett geschlossen sein, um eine ausreichende Luftzirkulation zu gewährleisten.
Heimchendosen haben sich als praktische Brutbehälter bewährt. Sie sind preiswert, einfach zu beschaffen und besitzen vorgestanzte Luftlöcher. Alternativ eignen sich auch transparente Gemüseschalen, wie die von Pilzen oder Tomaten. Diese handlichen Boxen aus Plastik haben ebenfalls vorgestanzte Löcher und sind ideal für die Inkubation.
Eine weitere Möglichkeit sind S.I.M. Container, die speziell für die substratfreie Inkubation entwickelt wurden. Sie bestehen aus einer Plastikbox, die am Boden mit Wasser oder Substrat gefüllt wird und ein Gitter in der Mitte hat, auf dem die Eier abgelegt werden.
Eine zusätzliche Option ist der Geo, ein kreisförmiges Kunststoffgefäß mit einem Einsatz für bis zu acht Eier. Er beansprucht weniger Platz und ist besonders für Hobbyzüchter geeignet. Auch hier sorgt ein Gitter dafür, dass die Eier vom Substrat getrennt bleiben, was die notwendige Luftfeuchtigkeit gewährleistet.
Wichtigstes Inkubationszubehör: geeignetes Substrat
Während der Zeitigung, auch als Inkubation bezeichnet, sollten bestimmte Ansprüche an das Substrat gestellt werden, um optimale Bedingungen für die Eier zu gewährleisten. Normale Bodengründe sind hierfür ungeeignet. Stattdessen bieten sich spezielle Eizeitigungssubstrate an, die ideal für den Einsatz im Inkubator geeignet sind. Diese Substrate sollten Feuchtigkeit gut aufnehmen können, ohne zu stark zu verschlammen oder an den Eiern zu kleben. Ein neutraler pH-Wert, ähnlich dem von Wasser (pH 7), ist ebenfalls wichtig.
Vermiculite
Das am häufigsten verwendete Substrat für die Reptilien-Brut ist Vermiculite, ein Tonmineral, das sich durch seine keimfreie Beschaffenheit, Nichtverrottbarkeit und hohe Feuchtigkeitsbindekapazität auszeichnet. Diese Eigenschaften machen es zum idealen Brutsubstrat für Eier, die ein hohes Feuchtigkeitsbedürfnis haben. Ein Problem kann jedoch auftreten, wenn Vermiculite zu stark befeuchtet oder in zu feiner Körnung verwendet wird. In diesem Fall kann es zusammensacken und „verschlammen“, was dazu führt, dass die Eier zu viel Feuchtigkeit aufnehmen und der Embryo abstirbt. Zudem kann das Substrat, das an den Eiern klebt, den Sauerstoffaustausch verhindern, was zur Verfaulung der Eier führen kann. Die richtige Feuchtigkeitsdosierung ist entscheidend: Das Substrat sollte nur feucht, nicht nass sein. Wenn man es zwischen den Fingern zerdrückt, darf kein Wasser heraustropfen.
Acadamia Lehmerde
Ein weiteres, zunehmend beliebtes Substrat ist die japanische Acadamia Lehmerde. Dieses natürliche Substrat stammt aus der Bonsaipflege und hat den Vorteil, dass es beim Wässern nicht so stark verschlammt wie herkömmliche, schwere Bonsaierde. Diese Eigenschaft macht es ideal als Brutsubstrat. Acadamia Lehmerde wird in unterschiedlichen Qualitäten und Körnungen angeboten und ist in ungebrannter und gebrannter Version erhältlich. Besonders empfehlenswert ist die gebrannte Version, da sie sehr formbeständig ist und (trocken gehalten) lange haltbar bleibt. Der pH-Wert von rund 6,7 trägt zur Eignung als Brutsubstrat bei, ebenso der gut funktionierende Luftaustausch. Ein kleiner Nachteil ist die höhere Nachfeuchtungsrate, weshalb eine Kombination aus Vermiculite und Lehmerde sinnvoll sein kann, um die Feuchtigkeit besser zu halten.
Neben Vermiculite und Acadamia Lehmerde gibt es auch Torf-Sand-Gemische, die als Brutsubstrat verwendet werden können, sowie seltener Erde, Moose oder Torf.
Schimmel im Gelege verhindern
Wenn die Eier gelegt werden, kommen sie in Kontakt mit Bodensubstrat, das sich an die Schale anheftet. Unter bestimmten Umständen kann dieses Substrat schimmeln und den Embryo gefährden. Ein bewährtes Mittel dagegen ist das Mischen des Inkubationssubstrats mit Aktivkohle, die ursprünglich aus der Aquaristik stammt und zur Wasserreinigung verwendet wird. Aktivkohle sollte jedoch vorsichtig dosiert werden, da sie Feuchtigkeit entzieht: Je mehr Aktivkohle im Substrat, desto schneller trocknet es aus. Bei Schimmelbefall sollten die betroffenen Eier schnell vom restlichen Gelege getrennt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Verschimmelte Eier sollten jedoch nicht sofort entsorgt werden, da auch aus ihnen noch gesunde Jungtiere schlüpfen können. Stattdessen sollten sie in Quarantäne beobachtet werden, um sicherzustellen, ob sich der Embryo noch entwickelt.
Die Zeitigung im Inkubator
Bei der Vorbereitung des Inkubators und dem Transfer der Eier vom Terrarium in den Brutkasten ist Vorsicht und Hygiene geboten, um Infektionen und Parasiten zu vermeiden. Der Inkubator sollte vor direkter Sonneneinstrahlung und Heizquellen geschützt aufgestellt werden. Nachdem das Weibchen die Eiablage abgeschlossen hat und der Inkubator einsatzbereit ist, sollten die Eier vorsichtig aus dem Gehege entfernt und im Brutbehälter platziert werden – entweder im Substrat oder auf einem Gitterrost. Die Eier sollten ausreichend Platz haben, da sie während der Inkubation wachsen. Wichtig ist, dass die Eier 24 Stunden nach der Ablage nicht mehr gedreht werden, da sich die Keimscheibe in dieser Zeit an der Oberseite des Eies festsetzt und der Dottersack nach unten sinkt. Ein Drehen des Eies könnte den Embryo schädigen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Inkubator sollten regelmäßig kontrolliert werden, und das Substrat bei Bedarf vorsichtig nachbefeuchtet werden. Direkter Wasserkontakt mit den Eiern sollte vermieden werden. Zwischendurch kann der Deckel des Inkubators kurz geöffnet werden, um für Frischluftzufuhr zu sorgen.
Der Schlupf
Die Jungtiere sind bereit zum Schlüpfen, wenn sich kleine Flüssigkeitsperlen an den Eierschalen bilden, die Schale glasig wird und leicht einfällt. Um die Schale zu knacken, besitzen die Schlüpflinge einen Eizahn am Oberkiefer. Nachdem der Kopf befreit ist, bleiben sie zunächst in dieser Position, um Kraft zu schöpfen. In dieser Phase wird auf Lungenatmung umgeschaltet und der Dottersack in die Leibhöhle aufgenommen. Der gesamte Schlupfvorgang kann mehrere Stunden dauern, und Eingriffe sollten vermieden werden, um das Überleben der Jungtiere nicht zu gefährden. Sobald die Schlüpflinge selbstständig stehen können, den Dottersack vollständig aufgenommen haben und sich im Brutbehälter umherbewegen, können sie in ein Aufzuchtterrarium umgesetzt werden.
Quelle:
1. "Das Terrarium: Handbuch für die Haltung von Reptilien und Amphibien" von Rainer G. Stoll; ISBN: 978-3800147545; Erscheinungsjahr: 2004; Verlag: Kosmos Verlag
2. "Terraristik für Einsteiger" von Ulrich Schliewen; ISBN: 978-3800164207; Erscheinungsjahr: 2005; Verlag: Kosmos Verlag
3. "Terrarien richtig einrichten: Der umfassende Ratgeber zur Einrichtung von Terrarien für Reptilien, Amphibien und andere Terrarientiere" von Andreas Bender; ISBN: 978-3835410525; Erscheinungsjahr: 2006; Verlag: Verlag Eugen Ulmer
4. "Reptilien im Terrarium: Arten, Pflege, Einrichtung" von Wolfgang M. Moser; ISBN: 978-3800148672; Erscheinungsjahr: 2008; Verlag: Kosmos Verlag
5. "Das Reptilien-Terrarium: Einrichten, Pflegen, Beobachten" von Peter Schlüter; ISBN: 978-3800161046; Erscheinungsjahr: 2003; Verlag: Kosmos Verlag
6. "Praktische Terraristik: Reptilien und Amphibien im Terrarium" von Roland A. L. Baur; ISBN: 978-3860578132; Erscheinungsjahr: 2006; Verlag: Dähne Verlag
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