
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen wurden vom Verfasser mit größter Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt und überprüft. Trotz dieser Bemühungen können Fehler nicht vollständig ausgeschlossen werden. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr, und der Verfasser übernimmt keine Haftung für etwaige unabsichtliche Fehler oder Ungenauigkeiten.
Ofenfischchen (Thermobia domestica)
Einleitung:
Ofenfischchen (Thermobia domestica) sind kleine, nachtaktive Insekten, die in warmen und trockenen Umgebungen leben. Ursprünglich aus dem Nahen Osten, Zentralasien und Ägypten stammend, bevorzugen sie Temperaturen bis zu 40°C, ohne die eine Population nicht möglich ist. Die Eiproduktion wird bei Temperaturen unter 30°C eingestellt, was eine Vermehrung in gemäßigten Klimazonen erschwert. Ofenfischchen finden sich bevorzugt in engen Spalten und Ritzen ein, wo sie sich mittels Pheromonen zusammenfinden und dichte Aggregationen bilden. Sie nehmen Wasser passiv über die gebundene Feuchtigkeit in der Luft auf, benötigen dafür jedoch eine relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 60%. Unter optimalen Bedingungen können sie bis zu sechs Jahre leben.
1. Haltung und Einrichtung:
Behälterwahl und Belüftung: Glas- oder Kunststoffbehälter mit Lüftungsschlitzen oder feinmaschigen Deckeln sind ideal. Für die Zucht eignen sich dicht schließende Plastikboxen mit einem Fassungsvermögen von 10L bis maximal 30L. Belüftung ist entscheidend, da Kondenswasser zum Verlust der Tiere führen kann. Es wird empfohlen, zunächst etwa 1/4 der Fläche als Lüftungsöffnung auszuschneiden, die sich an den Längsseiten der Box direkt unter dem Deckel befinden sollte. Diese Öffnungen werden mit einem Edelstahlgitter mit einer Maschenweite von ca. 0,2 mm versehen, das in das Material eingeschmolzen wird, um das Eindringen von Schädlingen und das Entweichen der Nymphen zu verhindern. Eine gesunde Besatzmenge beträgt etwa 200g/10L.
Einrichtung des Lebensraums: Um den natürlichen Lebensraum nachzustellen, sollte die Haltungsdose mit eng gesteckten Eierkartons, kleinen Kartonstücken oder zerknittertem Papier ausgestattet werden, um den Insekten ausreichend Versteckmöglichkeiten und zusätzlichen Raum zu bieten.
2. Temperatur und Luftfeuchtigkeit:
Temperatur: Ofenfischchen gedeihen am besten bei Temperaturen zwischen 30-35°C, ideal sind etwa 32°C. Ein Tipp ist es, die Box auf den Lichtkasten eines Terrariums zu stellen, um die benötigte Wärme durch die entstehende Abwärme zu erreichen.
Luftfeuchtigkeit: Eine relative Luftfeuchtigkeit von 50-60% ist optimal. Übermäßige Feuchtigkeit sollte vermieden werden, um Schimmelbildung zu verhindern.
3. Beleuchtung: Ofenfischchen benötigen kein direktes Licht. Eine indirekte Lichtquelle zur Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus ist ausreichend. Direkte Beleuchtung sollte vermieden werden, um Stress zu vermeiden.
4. Ernährung: Ofenfischchen sind Allesfresser und ernähren sich von einer Vielzahl organischer Materialien. Es werden keine zusätzlichen Futterschalen benötigt. Das Futter wird lose in der gesamten Box verteilt. Fischfutterflocken eignen sich perfekt aufgrund ihrer ausgewogenen Zusammensetzung. Als Langzeitfutter kann getrocknetes Weißbrot verwendet werden. Feuchtes Futter wird vermieden.
5. Wasserquelle: Da Thermobia domestica Wasser nicht aktiv aufnehmen, wird eine passive Wasserquelle bereitgestellt. Eine kleine Schale mit Wasser wird gefüllt und mit einem Deckel versehen, in welchen ein Stück Stoffgaze (z.B. Organza) eingeklemmt wird. Alternativ kann ein feuchter Schwamm oder Watte in den Behälter gelegt werden, um die Insekten mit Wasser zu versorgen, ohne die Luftfeuchtigkeit zu stark zu erhöhen.
6. Fortpflanzung und Pflege der Larven:
Fortpflanzung: Weibliche Ofenfischchen legen bis zu 50 Eier in Ritzen und Spalten des Behälters, die nach etwa 10-12 Tagen bei optimalen Bedingungen schlüpfen.
Pflege der Larven: Die jungen Ofenfischchen benötigen die gleichen Bedingungen wie die adulten Tiere. Empfehlung: Wattestücke im Behälter bieten Schutz für den frisch geschlüpften Nachwuchs und reduzieren Kannibalismus.
7. Hygiene und Gesundheitsvorsorge: Regelmäßige Hygiene ist entscheidend, um Krankheiten vorzubeugen. Futterreste und abgestorbene Insekten sollten regelmäßig entfernt werden. Das Substrat sollte alle paar Monate ausgetauscht werden, insbesondere bei Anzeichen von Schimmel oder Verunreinigungen. Beobachten Sie die Population auf Anzeichen von Krankheit oder Stress und passen Sie die Umweltbedingungen entsprechend an.
8. Nutzung als Futtertiere: Ofenfischchen sind nahrhafte Futtertiere für viele Reptilienarten. Vor dem Verfüttern sollten die Ofenfischchen mit einem Vitamin- und Mineralstoffpräparat bestäubt werden, um den Nährstoffgehalt zu erhöhen. Da sie klein und beweglich sind, fördern sie das natürliche Jagdverhalten der Reptilien und können als Haupt- oder Ergänzungsfutter verwendet werden.
9. Vorteile der Zucht:
Sie sind weich und somit besser verdaulich als Futterinsekten mit harten Chitinpanzern wie Mehlwürmer oder Steppengrillen.
Grillen und Heuschrecken neigen dazu, Reptilien während deren Häutung zu beißen, was bei Ofenfischchen nicht der Fall ist.
Ofenfischchen fressen keine Pflanzen an, was sicherstellt, dass kostbare Orchideen in Feuchtterrarien unbeschädigt bleiben.
Sie besitzen eine lange Lebensdauer und vermehren sich nicht unkontrolliert in der Wohnung wie Heimchen, Fruchtfliegen oder Schokoschaben.
Sie eignen sich ideal als Aufzuchtfutter für Jungtiere.
Ofenfischchen sind geruchlos und können nicht an glatten Wänden klettern, wodurch sie leichter zu handhaben sind.
Fütterung auf Vorrat ist möglich, sie erfordern minimale Pflege und sind kostengünstig.
Ihre schnelle und einfache Vermehrung sichert eine stetige Futterquelle.
Fazit: Ofenfischchen sind vielseitige und nahrhafte Futtertiere, die leicht zu züchten und zu pflegen sind. Mit der richtigen Pflege bieten sie eine wertvolle Ergänzung zur Ernährung vieler Reptilienarten. Ihre Pflegeleichtigkeit und Nährstoffdichte machen sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer ausgewogenen Reptilienfütterung.
Quellen- und Literaturverzeichnisse:
1. „Futtertiere“. F. Bruse, M. Meyer & W. Schmidt (2002). Chimaira Buchhandels GmbH. ISBN 3-930612-65-8
2. „Futtertierzucht“ Ursula Friederich & Werner Volland (1992) Eugen Ulmer-Verlag, Stuttgart ISBN 3-8001-2730-5
3. Dennis Manthey (2025. 15 März). „Großzucht von Ofenfischchen (Thermobia domestica)“ http://ofenfischchen.com/
